Außerschulische Bildung

adb-logoDiese Rezension ist zuerst erschienen in der Zeitschrift Außerschulische Bildung - Materialien zur politischen Jugend- und Erwachsenenbildung, Ausgabe 4-2010 des AdB.

Rezension: Online lernen und lehren

Norbert M. Seel, Dirk Ifenthaler: Online lernen und lehren Ernst Reinhardt Verlag 2009, 231 Seiten.

Die Autoren Seel und Ifenthaler gehen in ihrem 2009 erschienenen Buch auf die lernpsychologischen und pädagogischen Grundlagen für das online Lernen und Lehren ein, ohne dabei den Begriff E-Learning übermäßig zu strapazieren. Das liegt unter anderem daran, dass sie das Lernen und Lehren online als mehr verstanden wissen wollen als allgemeinhin unter E-Learning verstanden wird, wenn es um das reine Anbieten von Kurs- und Seminarunterlagen geht. Besonders deutlich wird dieses, wenn es im letzten Teil des Buches um die Möglichkeiten des Web 2.0 und die zukünftigen Entwicklungen geht.

Die Autoren teilen das Buch in sechs Kapitel ein. Das erste und kürzeste gibt einen kurzen Einstieg und einen Überblick über die Ausgangssituation. Einen Abriss über Online-Lernen und seine Geschichte sowie eine Abgrenzung der verschiedenen Begriffe liefert das zweite Kapitel.

Kapitel drei und vier bilden die Schwerpunkte des Buches, jeweils aus der Perspektive des Lernens und des Lehrens. Sie nehmen dabei mehr als die Hälfte der Seitenzahlen ein. Das dritte Kapitel gibt einen umfassenden Überblick über verschiedenen Lerntheorien und lernpsychologische Ansätze. Die verschiedenen, zum Teil bekannten Theorien werden hier angerissen und in Beziehung zum Online-Lernen gebracht. Die Autoren geben hier Hinweise zu den Voraussetzungen, die Lernende für ein erfolgreiches Online-Lernen benötigen und wie sie vom Lehrer eingebunden und motiviert werden können.

Im vierten Kapitel beschreiben Seel und Ifenthaler die verschiedenen Settings und Szenarien von Online-Lehren und gehen dabei auf die Frage ein, welche neuen Möglichkeiten das Internet und die damit verbundenen Kommunikationsformen für das Lehren bieten. Auch auf die verschiedenen didaktischen Spielräume, die durch die unterschiedlichen Lernplattformen und Lehrumgebungen zur Verfügung stehen, gehen die Autoren ein.

Den technischen Voraussetzungen und der Software widmen die Autoren das fünfte Kapitel. Sie listen dabei die unterschiedlichen Softwarekategorien von Content-Management-Systemen bis hin zu Autorenwerkzeugen auf. Hier liegt der Fokus der Betrachtung aber mehr auf der Kategorisierung von Software und deren Ressourcen und Modulen als auf der Beschreibung von einzelnen Programmen. Aus dem Angebot von Software, die für die Realisierung von Settings für das Online-Lehren geeignet sind, werden lediglich einige erwähnt, ohne vertiefend auf die Funktionen und deren Vor- und Nachteile einzugehen. Der Schwerpunkt der erwähnten Anwendungen liegt bei Web-basierten Programmen. Lediglich bei den Autorenwerkzeugen werden einige Desktopprogramme erwähnt. Diese sind dann allerdings im Gegensatz zu den meisten anderen erwähnten Programmen nicht aus dem Open Source Lager, was an der Alternativlosigkeit liegt.

In Kapitel sechs stellen die Autoren abschließend noch ihre Sicht auf die Zukunft des online Lernens und Lehrens vor, was aufgrund der schnellen technischen Entwicklung in diesem Bereich nicht einfach ist. Sie gehen dabei einerseits auf das Lernen durch Spiele ein. Solche Versuche hat es aber schon in den 80er und 90er Jahren gegeben, Ökolopoly zum Thema vernetztes Denken von Frederic Vester ist da wohl der Klassiker. Neue Aspekte ergeben sich deshalb eher in den Möglichkeiten, die sich durch die rasch entwickelnde Computertechnik ergeben. Andererseits fehlen Hinweise auf Podcasts und Augmented Rality, das durch die zunehmende Verfügbarkeit von Smartphones eine semantische Verknüpfung (auf deren Bestandteil im „Web 3.0“ sie in diesem Kapitel ja auch hinweisen) zwischen Online- und Realer-Welt ermöglicht. Hier überholen die Möglichkeiten in der Realität sehr schnell die Voraussagen, die in einem gedruckten Buch zu diesem Thema zu machen sind.

Das Buch richtet sich an alle, die einen umfassenden Überblick über Grundlagen für das Lernen und Lehren online bekommen möchten. Ausführlich werden verschiedene lerntheoretische Grundlagen aufgezählt und Hinweise für das Setting von Lehrumgebungen gegeben. Die Kapitel drei und vier sind eine umfangreiche Auflistung von Theorien mit vielen Querverweisen zu Sekundärliteratur. Die Autoren können dabei aber die verschiedenen Aspekte nur anreißen und nicht sonderlich in die Tiefe gehen.

Enttäuscht wird lediglich, wer etwa praktische Handlungsanweisungen und Tipps oder eine Übersicht und einen Vergleich von verschiedener Software sucht. Das Kapitel über die technischen Voraussetzungen gibt einen so kurzen Einblick in die verschiedenen Softwarearten und in konkrete Programme, dass es auch entfallen und stattdessen die eine oder andere Theorie in den Kapiteln drei und vier hätte vertieft dargestellt werden können.